Körperbezogene Pflegemaßnahmen

Koerperbezogene PflegeUnter dem Begriff körperbezogene Pflegemaßnahmen (Grundpflege) sind alle pflegerischen Maßnahmen zusammengefasst, die im Rahmen der Körperpflege, der Ernährung und Mobilität nötig werden. Die Kosten für Leistungen der körperbezogenen Pflegemaßnahmen werden unter bestimmten Voraussetzungen von der Pflegekasse übernommen. Ausschlaggebend für die Kostenübernahme ist das Vorliegen von Pflegebedürftigkeit.

Laut Pflegeversicherungsgesetz gelten Menschen als pflegebedürftig, die nach bestimmten Kriterien in ihrer Selbstständigkeit oder ihren Fähigkeiten eingeschränkt sind und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen. Es muss sich also um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbständig kompensieren oder bewältigen können. Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, und mit mindestens der in § 15 SGB XI festgelegten Schwere bestehen.

Letztlich entscheidet die Pflegekasse, ob der Versicherte im Sinne der sozialen Pflegeversicherung pflegebedürftig ist. Sie orientiert sich dabei an der Einschätzung von Gutachtern des Medizinischen Dienstes der Kranken-versicherung, MDK (bei gesetzlich Versicherten) oder von Sachverständigen der Firma MEDICPROOF (bei privat Versicherten). Anhand ihrer Begutachtungsrichtlinien beurteilen diese Experten aus dem Gesundheitswesen im persönlichen Gespräch mit Versicherten, ob und inwieweit sie pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungs-gesetzes sind.

Mit dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff haben sich zum 01.01.2017 vor allem drei Aspekte grundlegend verändert: Statt der bisherigen Pflegestufen 0, 1, 2 und 3 gibt es nun die Pflegegrade 1 bis 5. Ziel ist die verfeinerte und genauere Einstufung von Pflegebedürftigen. Stärker berücksichtigt werden neben körperlichen Einschränkungen nun auch psychische und kognitive Beeinträchtigungen, also z.B. Menschen mit einer eingeschränkten Alltagskompetenz (Demenz). Dazu wurde ein neues, ausgeklügeltes Begutachtungssystem eingeführt.

Unser Tipp 1: Vorab dieser Begutachtung kann ein mögliches Ergebnis schon mithilfe eines EDV-gestützten Programms ermittelt werden, das von „pflege.de“ bereitgestellt wird. Es kann oben im Hauptmenü unter "Links" mit Klick auf den Button „Pflegegradrechner“ aufgerufen werden.

Bewertet werden Beeinträchtigungen in sechs unterschiedlich stark gewichteten Bereichen: 1. Mobilität, 2. Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Belastungen, 3. kognitive und kommunikative Fähigkeiten, 4. Verhaltens-weisen und psychische Problemlagen, 5. Gestaltung des Alltags und sozialer Kontakte, 6. Selbstversorgung.

Zu den Leistungen der körperbezogenen Pflegemaßnahmen gehören im Einzelnen:

Hilfe bei der Körperwäsche und -pflege
Hilfe beim An- und Auskleiden
Hilfe bei der Nahrungsaufnahme
Verabreichung von Sondennahrung
Hilfe bei der Darm- und Blasenentleerung
Versorgung bei künstlichem Darmausgang
Spezielle Lagerungen
Mobilisation
Begleitung bei Arztbesuchen
u.v.m.

Neben den körperbezogenen Pflegemaßnahmen sind auch hauswirtschaftliche Hilfeleistungen und häusliche Betreuung möglich.

Die Feststellung der Pflegebedürftigkeit sollte so früh wie möglich bei der Pflegekasse beantragt werden. Die Pflegekassen sind verpflichtet, spätestens nach fünf Wochen die Entscheidung des MDK (bei privat Versicherten der Firma MEDICPROOF) schriftlich mitzuteilen. Voraussetzung ist, dass sich der Patient zum Begutachtungstermin zu Hause befindet.

Unser Tipp 2: Die Sozialdienste in Krankenhäusern und Rehakliniken sind berechtigt, eine Eileinstufung zumindest in den Pflegegrad 1 vorzunehmen und bei der Pflegekasse die für die Pflege erforderlichen Hilfsmittel zu ordern. Damit soll der nahtlose Übergang von der Klinik in die anschließende häusliche Pflege erleichtert werden. Nutzen Sie also einen Krankenhaus- oder Reha-Aufenthalt für ein beschleunigtes Verfahren zur Anerkennung einer Pflegestufe. Diese Eileinstufung erspart zwar nicht die nachträgliche Begutachtung durch den MDK (bei privat Versicherten der Firma MEDICPROOF), erleichtert aber gerade zu Beginn einer Pflegebedürftigkeit doch vieles.

Liegt ein Pflegegrad vor, werden wir die Kosten für Leistungen der körperbezogenen Pflegemaßnahmen (Grundpflege) soweit wie möglich mit Ihrer Pflegekasse direkt abrechnen. Welche Leistungen der Pflegekasse Ihnen bei welchem Pflegegrad zustehen, erfahren Sie in einer Übersicht auf der nächsten Seite. Andernfalls erbringen wir unsere Leistungen selbstverständlich auch privat.